Endstation: Hospiz

Seit etwas über einer Woche liegt meine Mutter nun schon im Hospiz. Mein Vati besucht sie fast täglich. Überraschend und schön war für uns alle, dass es ihr dort Ende letzter Woche richtig gut ging (wenn man das so sagen kann) und am Wochenende gern ihre Enkel sehen wollte.
So machten mein Sohn und ich uns am Samstag früh auf den Weg in die Heimat. Die Zugfahrt war angenehm und das Wetter lud eh zu keinen großen Aktivitäten an frischer Luft ein. In meiner Heimatstadt holte mein Vater uns am Bahnhof ab. Und staunte wieder einmal, wie groß sein Enkel doch geworden sei. Ja, wir als Eltern sehen das gar nicht so. Das fällt nur auf, wenn man die Person nicht täglich sieht. Er wird ja nun auch nächste Woche Sonntag schon 11 Jahre und geht nun in die 5. Klasse. Vor kurzem haben wir sein neues Kinderzimmer fertiggestellt und beim Einräumen des Kleiderschranks auch viele Sachen in Säcke für den Altkleidercontainer vorbereitet. Daran merke ich, dass er wächst.. Und was habe ich neulich in einem Buch gelesen? 10-12 cm Wachstum pro Jahr ist möglich – in der Pubertät… Mal schauen, wo das noch hinführt…
Nun muss ich kurz abschweifen, bevor es mit meiner Mutti weitergeht. Ich bekam grade eine Nachricht, dass mein Mann und unser Sohn auf dem Weg in die Kinderchirurgie sind.. Er ist letzte Woche Freitag mit Wucht auf das Schambein gefallen und über seinen Genitalien hat sich ein großer blauer Fleck gebildet. Seit gestern hat er dort eine Knulle festgestellt, was wir beim Kinderarzt abklären lassen wollten. Da dieser auf Nummer sicher gehen möchte, was ich völlig korrekt finde, schickt er die Beiden nun in die Chirurgie. Ich hoffe, sie müssen nicht zu lange warten…
So, zurück zu meiner Ma. 🙂 Wir fuhren vom Bahnhof kurz nach Hause zu ihm und packten noch einige Sachen für Mutti ein. Der Weg dahin zieht sich. Knapp 40min Fahrtweg… Das ist nicht ohne, wenn das mein Vati jeden Tag fährt. Dort angekommen, meldeten wir uns an und wurden gleich darauf hingewiesen, dass nur 2 Besucher pro Patient erlaubt sind. Hm…. Doof. Na ja, fragen wir mal. Die Dame vom Empfang hatte kein Problem, wir sollten die Pfleger in der oberen Etage fragen. Diese stimmten zu, nachdem ihnen mein Vater total lieb die Situation geschildert hatte. Dann ging es zur Tür rein. Mir schossen gleich wieder die Tränen in die Augen… Es tut immer noch weh, sie so zu sehen. Aber ihr Gesicht erhellte sich, als sie uns sah und sie freute sich. Wir umarmten uns und genossen einfach nur die ersten Momente. Auf für mein Kind war es eine neue ungewohnte Situation. Aber ich musste gleich feststellen, dass sie definitiv besser aussah, als auf der Palliativstation. Das Gesicht nicht mehr eingefallen und mehr Freude in den Augen. Wir unterhielten uns etwas und dann gab es Mittagessen. Es ist schon eine Weile her, dass ich mit meiner Mutter zusammen gegessen habe. Umso schöner, dass ich mit ihr im Zimmer essen durfte. Mein Vati und M. mussten in den Aufenthaltsraum nach unten, was aber kein Problem war. So war ich eine Weile mit Mutti allein und wir konnten uns mal kurz „zur Situation“ besprechen. Ich hielt weinend ihre Hand. Sie bestätigte nochmals, dass sie keine Schmerzen hat. Sie weiß, dass sie sterben wird und betonte, dass sie ein schönes Leben hatte. Wir (ihre Kinder) sollen das Leben normal weiterleben und uns ihretwegen nicht gänzlich einschränken. Man kann es nicht aufhalten.. Zumindest bewirkten die Medikamente und Schmerzmittel, die sie erhält, dass sie ziemlich klar im Kopf ist. Sie redete überhaupt kein wirres Zeug, im Gegenteil. Wir zeigten noch Fotos und M. berichtete von den ersten Tagen in der Schule. Es war eine schöne Stimmung. Jeder Tag ist kostbar, das wird einem erst bewusst, wenn man weiß, dass die Tage gezählt sind… Kurz vor 15 Uhr verabschiedeten wir uns und mein Vater brachte uns auf den nächstgelegenen Bahnhof. Um 19:30Uhr waren wir wieder zu Hause. Kaputt, aber glücklich, sie heute in der Verfassung gesehen zu haben.
Am Sonntag besuchte meine Schwester mit Mann und den 2 Kindern sie. Auch das war wieder ein schöner Nachmittag. Es gab Eis und Kuchen für alle…
Als ich jedoch am Montag mit meinem Vati telefonierte, war die Stimmung wieder leicht getrübt. Es gab wohl nochmal eine Anpassung der Medikation. Meine Eltern haben sich noch kurz vor dem ganzen Scheiß ein neues Auto gekauft, was im Oktober geliefert wird. Nun wollte mein Vati so gern dann noch mit ihr gemeinsam eine kleine Runde fahren. Das hat sie irgendwie aufgeregt. Sie meinte, er solle sie gehen lassen. Sie habe keine Kraft mehr… An dem Abend dachte ich schon, das wars. Habe am Dienstag echt gedacht, gleich kommt der Anruf… Der kam zum Glück (noch) nicht. Es ging ihr wieder besser. Auch solche Zeiten gehören dazu. Es gibt Tage, da geht es ihr gut, dann wieder welche, da geht es ihr sehr schlecht. Das müssen wir akzeptieren. Mein Vati will ihr auch keinen Stress bzw. Druck mehr machen. Es war halt so ein Gedanke… Mutti bestimmt das Tempo. Am Dienstag bekam sie sogar Besuch von ihrer Freundin. Das fand ich toll. Ansonsten schaut sie TV, spielt am Handy und schläft sehr viel… Am kommenden Sonntag fahre ich wieder hin.

So, aber damit nicht genug. Meine persönliche Situation war letzte Woche nicht nur davon betroffen. Mein Mann hatte schon seit paar Tagen Schmerzen an der After-Gegend. Das klingt echt blöd. Weil es kaum noch auszuhalten war, ging er Donnerstag freiwillig zum Arzt. Hausarzt konnte nicht helfen, weiter zum Chirurg. Die war sich nicht sicher, weiter zum Proktologen. Dieser stellte gleich den OP-Plan im Krankenhaus für Freitag um und meinte, dass er gleich früh um 8 Uhr dran sei. Die Entzündung muss raus. Es handelt sich um eine Art Fistel… Auch das noch!! Als ob ich nicht schon genug um die Ohren habe… Nun ja, ich fuhr ihn kurz nach 6 Uhr da hin, weil er um 7 Uhr da sein musste. Zum Glück wohnen wir in einer Großstadt, wo die Wege relativ kurz sind und man schnell von A nach B kommt. Da es nicht nur ambulant gemacht wurde, musste Tasche für die Nacht gepackt werden… Wie aufregend… Ich hatte am Freitag dann HomeOffice und schaute gefühlt minütlich auf das Handy und wartete auf eine Nachricht von ihm. Gegen 10:30Uhr schrieb er, dass er alles überstanden habe, aber noch etwas benommen sei. Es folgt aber in 2 Monaten erneute OP. Dann wird das „Teil“ erst entfernt. Jetzt war nur Entfernung der Entzündung. Samstag konnte er dann schon wieder nach Hause und liegt seitdem viel rum. Mehr geht ja gar nicht.

Mein Gewicht hat sich durch den ganzen Stress positiv nach unten entwickelt. Trotz Zureden meines Mannes, ich solle doch meine Fastentage jetzt weglassen, wo es eh schon blöd ist, hielt ich weiter tapfer durch. Letzte Woche gab es aber mal einen Abend, wo ich doch was essen musste, was gesundes. Nun ja, heute früh zeigte die Waage 62,7kg an. Juhuuu. Das motiviert mich weiterzumachen. Heute gab es dann gleich Döner zum Mittag mit den Kollegen, der noch nicht mal sooo lecker war.

Ja, das ist erstmal ein Zwischenstand.
Liebe Grüße Eure Fantastice

Photo by Gelgas Airlangga on Pexels.com

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