25.09.2020 – 17.12 Uhr 🖤🕊️🖤

Der Todeszeitpunkt meiner geliebten Mutti.

Donnerstag, 24.09.: wie jeden Abend rief mein Vati an und teilte den Zustand meine Mutti mit. Unverändert. Sie liegt im Bett, schläft viel und freut sich, wenn Vati kommt.. Sie meinte nur, dass sie Kinder (meine Schwester und ich) am Wochenende nicht kommen sollen. Es soll schlechtes Wetter werden. Ich war etwas erleichtert, da ich nun mal 2 Tage am Stück ohne Stress haben konnte. Bisher bin ich jeden früh Mo bis Fr 5.25Uhr aufgestanden, am Sa 6.30 Uhr, damit ich den Zug schaffe und Mutti besuchen kann. Ich wäre auch gefahren, vielleicht zusammen mit meinem Sohn, aber gut. Ich hatte mir schon überlegt, am Freitag mit M. shoppen zu fahren. Wir bräuchten beide neue Klamotten und M. Wollte nach einer play Station gucken…

Freitag, 25.09.: Der Tag fing eigentlich gut an. Bis 7.24Uhr mein Handy auf Arbeit klingelte. Mein Vati. Ich sah es schon auf dem Display. Er meinte, dass es Mutti heute gar nicht gut geht. Das Hospiz hatte ihn angerufen. Er solle doch kommen. Ich zitterte am ganzen Körper. Ich bat ihn, sich zu melden, wenn er dort sei, damit ich beruhigt war. Er schrieb mir dann zwischendurch immer mal. Der Vormittag ging noch. Sie war noch wach und sie erzählen sich noch ein ganz kleines bisschen. Je weiter der Nachmittag vorrückte, wurde sie immer schwächer. Sie schlief nur noch, hatte die Augen zu, zuckte etwas mit der Hand. Mein Vati war die ganze Zeit bei ihr. Bis sie 17.12Uhr friedlich und ohne Schmerzen neben ihm für immer einschlief 🖤.

Wir wussten es, aber der Zeitpunkt stand in den Sternen. Nun ist sie an einem besonderen Ort, wo es ihr hoffentlich besser geht. Sie schien es geahnt zu haben. Hatte ihre Lieben nochmal gesehen. Das Hospiz und auch das Bestattungsinstitut bestätigen uns, dass die Menschen den Tod spüren bzw. ahnen können. So muss es wohl auch gewesen sein. Es wirkt schon fast magisch, surreal, bezaubernd.

Samstag, 26.09.: Ich machte mich auf den Weg in meine Heimat. Der Zug fuhr pünktlich und ohne Zwischenfälle. Es schüttete schon den ganzen Tag. Regen über Regen. Als wolle der Himmel mit uns mitweinen… In meiner Heimat angekommen, weinen mein Vati und ich zusammen in unseren Armen. Tieftraurig, dennoch erlöst. Wir fuhren ins Hospiz und holten ihre Sachen. Am Nachmittag kam meine Schwester. Weinend saßen wir am Tisch und dachten an die schönen gemeinsamen Momente mit unserer Mutti… Unvergesslich.

Nun fing der bürokratische Aufwand an. Am Sonntag kam die Bestatterin zu uns nach Hause und der Schriftkram und das weitere Vorgehen wurde besprochen und geklärt. Ich war bei sowas noch nie dabei. Es ist schon interessant… Am Montag waren wir im Pfarramt, das Datum der Beisetzung wurde festgelegt. Am 15.10 um 13Uhr. Das wird nochmal ein schwerer Gang. Wir haben jedoch schon gemeinsam ihre Urne ausgesucht, Musik für die Trauerfeier, die Zeitungsanzeige ist fertig, Blumenschmuck wird Freitag bestellt (wir wissen aber schon in etwa, was wir wollen und den Aufdruck für die Schleifen), ein schönes Foto, Versicherung ist gemeldet, der Steinmetz ist informiert, Friedhof weiß Bescheid, morgen kommt der Pfarrer wegen der Rede. Ich denke, wir liegen sehr gut in der Zeit.

Meinem Vati hilft es, dass ich da bin und alles aufschreibe und ihn essenstechnisch versorge. Ich bin jetzt nicht die begnadetste Köchin, aber verhungern tun wir nicht. Und ganz wichtig : er ist jetzt nicht allein. Seit gestern flattern die ersten Trauerkarten ins Haus. Mir kommen jedes Mal die Tränen, wenn ich die liebevollen Zeilen lese und das Mitgefühl der Menschen spüre. Meine Arbeitskollegen und enge Freunde wissen ebenso Bescheid und haben ganz liebe Worte per WhatsApp geschrieben. Ich erfahre grade eine wahnsinnige Anteilnahme. Momentan bin ich aber noch rational. Hoffe, dass wir nix vergessen, an alles denken. Ich glaube, ich habe mich schon vor längerer Zeit von ihr innerlich verabschiedet / getrennt. Es tut weh, aber die Krankheit, der Krebs, war stärker. Als die Bestatterin gestern nochmal kurz da war, zeigte sie mir auch Bilder von meiner Mutti im Sarg, kurz vor der Verbrennung im Krematorium. Sie liegt ganz still da, mit vielen Fotos und Blumen um sich herum. Ihre Seele ist bestimmt schon woanders. Und bewacht uns von dort… Machs gut, meine liebe Mutti🕊️🕊️🕊️

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